Was gibt es im Supermarkt plastikfrei verpackt? Erste Schritte, um Plastik zu vermeiden


Du willst Plastik beim Einkaufen vermeiden - hast aber nur wenig Zeit und auch keinen Unverpacktladen in deiner Nähe. Kein Problem! Plastik sparen funktioniert auch in einem normalen Supermarkt. Hier kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die dir garantiert weiterhelfen wird.




Fünf gute Gründe, auf Plastik zu verzichten

Plastik macht krank

Es enthält gesundheitsschädliche Zusätze, wie z.B. Weichmacher. Diese Chemikalien werden dem Plastik bei der Herstellung zugefügt, um es weicher, biegsamer und elastischer zu machen. Weichmacher sind im Plastik nicht fest gebunden und gelangen über die Lebensmittelverpackung in unser Essen und Trinken. Mit jedem Schluck aus der Plastikflasche und jedem Biss von einem plastikverpackten Lebensmittel landen Plastikchemikalien in unseren Körper. Bereits geringe Mengen davon können wichtige Körperfunktionen stören und uns krank machen. Für Kinder ist diese besonders gefährlich, da sie sich noch im Wachstum sind.


Plastik wird kaum wiederverwendet

Gerade mal 16 % des Plastiks, das wir über den Gelben Sack entsorgen, wird wiederverwertet. Der Grund dafür: die meisten Plastikverpackungen bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Die Sortieranlagen sind nicht in der Lage diese voneinander zu trennen. Eine händische Trennung ist zu teuer. So landet der Großteil unseres Plastiksmülls in der Verbrennungsanlage. Durch die Verbrennung entsteht CO₂, dass das Klima zusätzlich belastet.


Plastik ist schlecht für Mensch und Umwelt

Schätzungsweise schwimmen derzeit ca. 86 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Jährlich kommen weitere 10 Millionen Tonnen dazu. Das entspricht einer Lkw-Ladung, die pro Minute ins Meer gekippt wird. Unzählige Meerestiere und Vögel sterben jedes Jahr, weil sie Plastikteilchen gefressen oder sich im Plastikmüll verfangen haben. Der herumschwimmende Plastikmüll zerfällt mit der Zeit in immer kleinere Teilchen - besser bekannt als Mikroplastik. Es ist biologisch nicht abbaubar. Mikroplastik wirkt wie ein Magnet, der Umweltgifte aus dem Meerwasser anzieht. Die mit Gift angereicherten Plastikstückchen werden von Fischen, Meeresfrüchten und anderen Meeresbewohnern gefressen und landen - samt der Gifte - auf unserem Teller und schlussendlich in unserem Körper.


Es gibt bereits viele plastikfreie Alternativen

Mittlerweile gibt es viele plastikfrei verpackte Produkte im Supermarkt. Oft sind wir uns dessen aber gar nicht bewusst. Wir kaufen immer die gleichen Produkte und nehmen uns meist gar nicht die Zeit, um uns nach Alternativen umzuschauen. Doch es gibt sie - in jedem Supermarkt! Schau dich beim nächsten Einkauf mal danach um. Du wirst erstaunt sein, wie viele es gibt!


Plastik vermeiden zahlt sich aus

Wenn man Plastik einspart, fällt erstmal weniger Müll an. Es fühlt sich sehr befreiened an, wenn die Mülltonne nicht ständig voll ist. Man fühlt sich dann auch nicht mehr so schuldig für Unmengen an Plastik verantwortlich zu sein. Außerdem tust du der Gesundheit etwas Gutes und leistest einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Als Plastiksparer bist du ein gutes Vorbild. Du inspirierst dadurch nicht nur deine Familie, sondern auch Außenstehende, ihren Plastikkonsum zu überdenken.



Plastikfreie Alternativen, die du in fast jedem Supermarkt findest


Hier findest du einen kleinen Überblick über verschiedene Alternativprodukte, die es plastikfrei verpackt bzw. mit weniger Plastikanteil im normalen Supermarkt gibt:


Lebensmittel

  1. Sahne, Milch, Jogurt im Glas (teilweise sogar im Pfandglas)

  2. Schmand und saure Sahne durch Naturjogurt mit 10%igem Fettgehalt im Glas ersetzen

  3. Käse, Wurst, Fisch und Fleisch von der Frischetheke anstatt vorverpackt aus dem Kühlregal

  4. Reis und Nudeln im Karton oder Papierbeutel

  5. Haferflocken im Papierbeutel

  6. Frisches Obst und Gemüse lose kaufen und in eigene Beutel verstauen

  7. Essig, Öl, Ketchup, Mayonnaise, Grillsauce, etc. in der Glasflasche

  8. Säfte, Mineralwasser, Limonade & Co. in Mehrwegglasflaschen

  9. Tiefkühlprodukte im Karton

  10. Süßigkeiten mit möglichst wenig Plastikanteil bevorzugen, z.B. Leibnitz Butterkekse, eine Tafel Schokolade mit Papier- statt Plastikverpackung oder eine Großverpackung kaufen statt viele kleine Verpackungen.

  11. Eingelegtes Obst und Gemüse, Sardellen etc. im Glas statt in Konservendosen

Hinweis: Auch Konservendosen sind innen mit Plastik beschichtet. Daher solltest du diese durch Alternativen aus Glas ersetzen.


Hygiene- und Pflegeartikel

  1. Festes Shampoo, fester Conditioner oder feste Duschseife

  2. Seifenstück statt Flüssigseife

  3. Zahnbürste aus Holz

  4. Deodorant im Glas

  5. Wattestäbchen mit Papierstil

  6. Spülmaschinentabs in wasserlöslicher Folie anstatt plastikverpackte Tabs

  7. Waschpulver im Karton anstatt Flüssigwaschmittel



Mit dieser Grundausstattung gelingt der plastikfreie Einkauf garantiert


Um Plastik beim Einkaufen zu vermeiden, brauchst du eine gewisse Ausstattung. Ohne diese lässt sich nur schwer Plastik sparen. Sie besteht aus den fünf folgenden Dingen:

Einkaufszettel

Ein Einkaufszettel hilft dir nicht nur dabei, nichts zu vergessen, sondern verringert auch Spontankäufe und somit auch unnötigen Verpackungsmüll. Er hilft dir außerdem dabei, deinen Einkauf gezielter und schneller zu erledigen. Deshalb solltest du dir vor jedem Einkauf eine Einkaufsliste schreiben und möglichst auch nur das kaufen, was drauf steht. Alternativ kannst du auch eine Einkaufslisten-App nutzen. So hast du deinen Einkaufszettel immer dabei, wenn du das Handy eingesteckt hast.


Ich finde die kostenlose App Listonic hierfür ideal. Du kannst damit sogar eine komplette Liste durch Spracheingabe erstellen.


Einkaufstasche

Auf keinen Fall Einkaufstasche, Rucksack oder Korb vergessen! Für einen Großeinkauf solltest du lieber ein paar zusätzliche Taschen einpacken. So vermeidest du, Plastiktüten an der Kasse kaufen zu müssen. Solltest du mal deine Einkaufstasche vergessen haben, nimm einfach eine leere Kartonschachtel und verstaue deine Einkäufe darin. Meist findest du die ausrangierten Schachteln irgendwo hinter der Supermarktkasse.


Obst- und Gemüsenetze

Zur Standardausrüstung des plastikreduzierten Einkaufs gehören auch Obst- und Gemüsenetze. Etwa vier bis sechs Netze in unterschiedlichen Größen sind ideal. Falls du noch keine besitzt, kauf dir welche oder nähe sie dir einfach selbst. Im Internet findest du zahlreiche Nähanleitungen dafür, wie z.B. auf der Webseite von smarticular.


Dosen und Behälter

An der Frischetheke im Supermarkt kannst du dir deine mitgebrachten Behälter mit Wurst, Käse und Fleisch befüllen lassen. Besonders wenn bei dir zu Hause viel und regelmäßig Fleisch, Wurst und Käse gegessen wird, kannst du dadurch viel Verpackungsmüll einsparen. Wie viele Dosen du für deinen Einkauf benötigst, hängt davon ab, was du alles von der Frischetheke brauchst. Ein Blick auf deinen Einkaufszettel verrät dir, wie viele Behälter du einpacken musst.


Ich habe in der Regel immer zwei bis drei Behälter dabei. Sollten mitgebrachte Dosen in deinem Supermarkt nicht erlaubt sein, ist es trotzdem ratsam, an der Theke einzukaufen. Hier fällt vergleichsweise viel weniger Plastik an, als wenn du alles vorverpackt kaufst.


Trinken und Vesper

Gerade wenn du mit Kindern unterwegs bist, darf etwas zum Trinken und eine Kleinigkeit zum Essen nicht fehlen - auch nicht bei einem kurzen Einkauf im Supermarkt. Kinder haben gefühlt ständig Hunger und Durst, sobald man das Haus verlässt. Indem du etwas Proviant einpackst, kommst du erst gar nicht in das Dilemma, unterwegs etwas Plastikverpacktes kaufen zu müssen.


Plastikfreier Einkauf richtig umgesetzt: Das solltest du dabei beachten

Deine Einkaufsgewohnheiten von heute auf morgen zu ändern ist ziemlich schwer bis nahezu unmöglich. Gewohnheiten sind routinierte Handlungen, die automatisch ablaufen, ohne dass du darüber nachdenken musst. Wenn dein Gehirn über jede kleine Handlung im Alltag nachdenken müsste, wäre es schlichtweg überfordert. Denken ist für dein Gehirn sehr anstrengend und kostet es viel Energie. Es ist von Natur aus darauf programmiert, Energie zu sparen.


Viele deiner alltäglichen Handlungen werden deshalb zur Routine. Sie laufen dann von selbst ab wie z.B. das tägliche Zähneputzen oder auch das Greifen zu den immer gleichen Produkten im Supermarkt.


Oder kannst du dich erinnern, dass du beim letzten Einkaufen darüber nachgedacht hast, welche Milch oder Butter du heute kaufst?


Wir müssen darüber nicht mehr nachdenken, weil es schon zur Gewohnheit geworden ist, immer das Gleiche zu kaufen.


So änderst du deine Routinen

Am einfachsten und erfolgversprechendsten solche Routinen zu ändern, ist, sie in winzig kleinen Schritten durch neue Routinen zu ersetzen. Das neue Verhalten sollte dabei schnell und einfach umsetzbar sein. Das kannst du z.B. sein: Beim jedem Wocheneinkauf ein einziges plastikverpacktes Produkt durch eine Alternative zu ersetzen. Das geht schnell und ist leicht umzusetzen. Natürlich veränderst du mit dieser einzigen kleinen Handlung erst mal nicht viel. Erst, wenn du viele dieser kleinen Änderungen machst, schrumpft auch allmählich dein Plastikmüll.

1. Einkaufszettel schreiben

Zunächst schreibst du alles auf deinen Einkaufszettel, was du diese Woche im Supermarkt einkaufen willst. Alternativ kannst du auch eine digitale Einkaufsliste nutzen. Ich persönlich nutze lieber einen ganz gewöhnlichen handgeschriebenen Zettel. Probiere einfach aus, womit du am besten zurechtkommst.



2. Alternativen vorab auswählen

Schau dir die Auflistung der Alternativprodukte von oben nochmal an. Such dir ein bis zwei davon aus, die du beim heutigen Einkauf ersetzen willst. Es geht vorerst darum, sich aufzuraffen und eine neue Gewohnheit aufzubauen. Erst dann kannst du dich allmählich steigern. Schließlich willst du dir die Umstellung so leicht wie möglich machen und deinen Wocheneinkauf im Supermarkt nicht unnötig in die Länge ziehen.



3. Grundausstattung einpacken

Bereite deine Grundausstattung für den plastikfreien Einkauf vor. Nochmal zur Erinnerung: Diese besteht aus Obst- und Gemüsenetzen, Behältern, einem Einkaufszettel, einer oder auch mehrerer Einkaufstaschen/-körben sowie ggf. einer Trinkflasche und einer kleinen Brotzeit für deine Kinder.



4. Einkaufen gehen

Im Anschluss gehst du in deinem bevorzugten Supermarkt einkaufen. Schaue dich dort nach den entsprechenden Alternativen um. Wenn du eine passende Alternative gefunden hast, bleib dabei und kauf sie immer wieder. Mach sie zu deinem Standardprodukt!

5. Wiederholen

Beim nächsten Einkaufen suchst du dir wieder ein bis zwei neue Produkte aus und versuchst auch diese durch plastikfreie Produkte zu ersetzen. Das wiederholst du so lange, bis der Großteil deines Einkaufs plastikfrei ist und du so routiniert bist, dass die plastikfreien Produkte “automatisch” in deinem Einkaufswagen landen. Erst dann solltest du den nächsten Schritt tun und weitere Möglichkeiten dazunehmen, um noch mehr Plastikmüll einzusparen. Das kann beispielsweise der Einkauf auf dem Wochenmarkt, in der Drogerie oder auch Internetbestellungen sein. Konkrete Tipps und Hilfestellungen dazu findest z.B. du in meinem Buch Plastikfrei einkaufen leicht gemacht - Wie du ohne Unverpacktladen Plastik reduzierst und das mit deinem Familienalltag vereinbarst.



Drei Anfängerfehler, die du vermeiden sollte


1. Falscher Supermarkt

Für eine erfolgreiche Plastikreduktion spielt die Wahl des Supermarkts eine wichtige Rolle. Wenn ich von einem Supermarkt spreche, meine ich keinen Discounter wie Aldi oder Lidl, sondern einen regionalen Supermarkt wie Edeka, Spar, Rewe oder Real.


In einem Discounter ist es sehr schwer, Plastik zu vermeiden.

Hier ist so gut wie alles vorverpackt. Aber selbst hier kannst du die Augen nach plastikfreien Alternativen offenhalten. Es gibt zwar nicht viele, aber es gibt welche. Langsam fangen auch die Discounter an umzudenken. Ich gehe stark davon aus, dass es dort in Zukunft auch immer mehr plastikfreie Produkte geben wird. Das wird jedoch noch eine Weile dauern.


Ein regionaler Supermarkt bietet bereits ideale Bedingungen für den plastikarmen Einkauf. Voraussetzung ist allerdings, dass er ein großes Angebot an losem Obst und Gemüse hat sowie eine Frischetheke, wo es Fleisch, Wurst und Käse gibt. Supermärkte haben in der Regel auch ein größeres Produktsortiment als Discounter, sodass du dort auch mehr Alternativen finden wirst.


2. Zu schnelles Vorgehen

Ein häufiger und typischer Fehler ist das zu schnelle Vorgehen. Wenn man sich das Plastiksparen erst einmal in den Kopf gesetzt hat, will man am liebsten von heute auf morgen jegliches Plastik loswerden. Die Motivation in allen Ehren, aber das wird nicht funktionieren. Plastik ist ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden, der sich nicht so einfach loswerden lässt.


Plastik zu reduzieren ist ein Prozess, der nur gelingt, wenn man langsam und Schritt für Schritt vorgeht.

Bei mir und meiner Familie hat es etwa ein halbes Jahr gedauert, bis wir den Großteil unseres Plastikmülls reduziert haben. Gerade am Anfang muss man geduldig sein, weil es sich nicht sofort im Mülleimer bemerkbar macht. Das liegt ganz einfach daran, dass man Altbestände erst aufbrauchen muss. Die Menge an Plastikmüll bleibt deshalb zunächst unverändert, obwohl man bereits plastikfreie Alternativen nutzt. Lass dich davon nicht demotivieren und mach weiterhin kleine Schritte.


Es mag sich vielleicht so anfühlen, als ob diese kleinen Schritte nichts bewirken, aber viele kleine Schritte ergeben in der Summe und mit etwas Geduld eine große Veränderung. Natürlich kann man auch in größeren Schritten vorgehen, jedoch währt das meist nicht lange und man verfällt schnell wieder in seine alten Plastikgewohnheiten. Und die Mengen an Müll kehren schnell wieder zurück!



3. Unrealistische Erwartungen haben

Allein schon die Begriffe “Zero Waste” und “plastikfrei” täuschen uns vor, dass ein Leben ganz ohne Müll und Plastik möglich ist. Infolgedessen starten die meisten die Plastikreduktion mit falschen Erwartungen und setzen sich unerreichbare Ziele, etwa komplett ohne Plastik leben zu wollen. Solche Ziele sind jedoch nicht realistisch. Sie führen eher dazu, dass man sich schnell überfordert fühlt und das ganze Vorhaben frustriert wieder aufgibt.


In der heutigen Gesellschaft ist es nahezu unmöglich, immer und überall auf Plastik zu verzichten.